Rezension:

TheoPrax-Projektarbeit in Aus- und Weiterbildung.

Bausteine für lernende Organisationen
Stuttgart 2000. 413 Seiten gebunden Klett-Cotta

Peter Eyerer

ISBD 3 - 608 - 910112 - 3 Preis: 35 €


Professor Dr.-Ing. Peter Eyerer, Lehrstuhlinhaber für Wirkstoffkunde der Metalle und Kunststoffe an der Universität Stuttgart, Institutsleiter des Fraunhofer Instituts für chemische Technologie und Leiter des Modells TheoPrax zur Verbindung von Lehre, Praxis von Industrie und Verwaltung sowie dem innovativen Potential von Studenten und Schülern, hat eine in vieler Hinsicht innovative und verdienstvolle Studie zur Projektarbeit und ihrer Umsetzung in Lehre und Ausbildung vorgelegt.

Sein Ausgangspunkt ist die Kritik am ineffizienten Unterrichtsstil, in der Regel dem Frontalunterricht an Hochschulen und am reformbedürftigen deutschen Bildungswesen, das nicht auf lebenslanges, motivierendes und wirksames Lernen eingestellt ist. Es wird damit nicht den Anforderungen von Industrie und Dienstleistungen, denen sich Eyerer anschließt, gerecht, die mehr die Vermittlungen von Schlüsselkompetenzen fordern: Interdisziplinarität, praxis- und projektbezogenes Lernen, selbstgesteuerte Lernformen, mediengestütztes Lernen und Lernen in Teams.

Den Schlüssel zur Änderung dieser Defizite und zur Entwicklung von Lernenden Organisationen sieht Eyerer in der Förderung von Projektarbeit (S. 11). Ein erstes Verdienst seiner Untersuchung liegt darin, bisher getrennte Bereiche Projektmanagement  in der Wirtschaft und Projektpädagogik in gegenseitige Kommunikation zu bringen und zu verzahnen. Dies ist meines Wissens so noch nicht erfolgt und an sich schon eine Innovation.

Allerdings schränkt der Autor ein, dass er keine "erziehungswissenschaftllche Arbeit" (S. 14) verfasst hat, sondern eine handlungsorientierte Umsetzung neuer Ideen für Aus- und Weiterbildung entwickeln will. Dieser Absicht folgt auch die Gliederung, die sich in einen theoretisch- pädagogischen Teil zur Methode der Projektarbeit (S. 19 - 182), einen handlungsorientierten praktischen Teil (S. 183 - 240) zur Umsetzung in der Lehre und besonders im Modell Theo-Prax sowie einen mit theoretischen und exemplarischen Reflexionen zum Konzept der Lernenden Organisation mit einem abschießenden Ausblick auf das Bildungssystem insgesamt (S. 251 - 294).

Es folgt ein Anhang mit Praxisbeispielen, -materialien und Adressen (S. 295 - 361). Ein ausführliches Literaturverzeichnis, da allerdings unübersichtlich ist, weil es nach Abfolge des Zitierens nicht nach dem Alphabet geordnet ist, und ein umfangreiches Register (S. 393 - 411) schießen das Buch ab.

Ein weiteres Verdienst des Buches ist die Hervorhebung und Profilierung der Projektarbeit als zentralen Baustein moderner Pädagogik, die auf Selbständigkeit und Kreativität des Lernenden zielt und die Instruktion z. B. durch Frontalunterricht sinnvoll anwendungsbezogen ergänzt. Bei dieser pragmatischen Position orientiert der Auto Projektarbeit stärker an Erfordernissen der Ausbildung für die Industrie und am Konzept des Projektmanagements. Dabei wird die partizipativ-demokratische und soziale Komponente von Projektarbeit in der Tradition Deweys in den Hintergrund gedrängt und die Differenz von schulischer und industrieller Projektarbeit, wie sie K. J. Tillmann (in: J. Bastian u. a. (Hg.): Theorie des Projektunterrichts. Hamburg 1997, S. 151 -164) herausgearbeitet hat, nicht thematisiert.

Ein weiterer Vorteil des Buches ist die breite durchgearbeiteter Literatur im Hinblick auf Umsetzung in die Praxis. Der Leser erhält eine Fülle von Anregungen zum Umgang mit und zur Anwendung von Projektarbeit.

Nachteilig ist dabei nur, dass die Auseinandersetzung mit der Literatur nicht immer wissenschaftlich erfolgt, sondern eher eklektizistisch. Kontroversen oder Probleme werden, wenn überhaupt, dann nur angedeutet (z. B. S. 60 ff). Aber das war auch nicht das erklärte Interesse des Autors, der die Literatur eher handlungsorientiert gesichtet hat.

Und für diese praktische Umsetzung von Projektarbeit, die Auseinandersetzung mit den Erfordernissen von Wirtschaft und Gesellschaft und die Weiterentwicklung von Projektarbeit ist das Buch von Peter Eyerer ein wichtiges Handbuch.

Wolfgang Emer