Der Projektvertrag

Bernhard SUIN de BOUTEMARD

Dem Projektvertrag liegt das didaktische Verlaufsmodell der Projektgrammatik zugrunde. Dessen Regeln und Komponenten sind in das folgende Vertragsmuster übersetzt worden; wobei der Projektvertrag ergänzende Schwerpunkte setzen wird, wenn die Teilnehmer der Projektgruppe schon über einen längeren Zeitraum Erfahrungen mit Projektarbeit gemacht haben.

Allgemeine und Fachdidaktik
Die ersten drei Abschnitte des Vertragsmusters folgen der Regel der Allgemeinen Didaktik:

Was, für wen und wozu bearbeitet und gelernt werden soll? Diese drei Fragerichtungen nimmt der Projektvertrag zumindest in einer kurzen Anweisung auf. Ergänzt werden können die Regeln der Allgemeinen Didaktik durch solche der Fachdidaktiken.

Pädagogisch fruchtbarer Moment
Es empfiehlt sich, den vierten und fünften Abschnitt des Vertragsmusters vom Umfang her zu entlasten, indem auf den Planungsentwurf und die vorgesehene Darbietung der Arbeits-ergebnisse verwiesen wird, die dem Vertrag als Anlage beigefügt werden. Wichtig ist, beide so anzulegen, dass von vornherein Änderungen (Revisionen) und Ergänzungen - vielleicht sogar terminlich festgelegt - vorgesehen werden.

Denn in der Projektpädagogik handelt klug, wer lernt, sich auf veränderte Arbeits- und Lern-bedingungen einzustellen. Darum sind gerade auftauchende Fehler im Arbeitsablauf des Projektes pädagogisch fruchtbare Momente im Bildungsgeschehen, wenn aus ihnen "Lehren" gezogen werden, um gestörte oder zusammengebrochene Handlungen neu anzusetzen (vgl. hierzu auch das didaktische Formular eines Musters zur Handlungsorientierung in: Suin de Boutemard, Bernhard, 1979, Projektarbeit in Gemeinden. S. 68).

Verbindlichkeit und Autonomie
Der Projektvertrag wird sowohl von den SchülerInnen als auch den Lehrenden unterschrieben. Damit wird eine Verbindlichkeit erstellt, die sich gegen das Geschwätz richtet, im Projekt-unterricht kann man als SchülerIn machen, was man will. Zugleich aber wird die Autonomie einer jeden Person der Projektgruppe wechselseitig verankert, weil jeder als Vertragsrechts-subjekt behandelt wird. Der Anspruch auf Vertragsrechtssubjektivität ist eine aufklärerische und demokratische Forderung, mit der das bürgerliche Subjekt sich von jeder Form der Bevormundung (auch der politischen) zu befreien sucht. Sie ist der Kern bürgergesell-schaftlichen Engagements, der Gestaltung bürger- und menschenrechtlicher Verhältnisse und der Teilhabe (Partizipation) an Entscheidungen.




Projektvertrag


Zwischen dem Projektleiter __________________________________________

und den Projektmitgliedern __________________________________________

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wird vereinbart:


Das Problem

Was soll gemacht, erkundet, herausbekommen und gelernt werden ?

(Problemanalyse, -formulierung, -lösung)


Der Adressat

Mit wem und für wen soll das Problem bearbeitet und das Projekt durchgeführt werden?


Die Bildungsabsicht

Wozu soll das Projekt nützlich sein und welche Ziele sollen erreicht werden ?

(Umsetzungen von Problemformulierungen und Inhalten in materielle, formale und kategoriale Bildungsaufgaben)

 

Die Planung

Wer macht was, wie und wie lange, wo und wann, mit wem und womit ?

(Der als Anlage beigefügte Planungsentwurf kann im beiderseitigen Einvernehmen jederzeit geändert werden.)

Die Darbietung

In welcher Form sollen die Arbeitsergebnisse (Lernergebnisse) des Projekts aufbereitet und vorgestellt werden ?


Ort, Datum       _______________________________


Unterschriften  _______________________________