Nachruf auf einen Wegbereiter
der Projektdidaktik in Deutschland




Bernhard
Suin de Boutemard

(1930 – 2007)


Mit Bernhard Suin de Boutemard starb am 21. Mai 2007 ein engagierter Theoretiker und Praktiker der Projektdidaktik. Wie nur wenige Pädagogen in der Bundesrepublik hat er sich um die Vermittlung und Reflexion der Projektdidaktik seit den 70er Jahren eingesetzt.

Während die vorherrschende Pädagogik nach 1945 nicht an die fortschrittliche Reformpädagogik eines durch Dewey inspirierten Peter Petersen, Fritz Karsen und Adolf Reichwein anknüpfte und sich mit einer eher bescheidenen und randständigen Vorhaben-Pädagogik begnügte, war es eine Gruppe engagierter Pädagogen, darunter auch Suin de Boutemard, die im Heft 1 der Zeitschrift „betrifft: erziehung“ im Jahr 1975 den Beginn einer Projektdidaktik im Geiste Deweys einleiteten.

Suin de Boutemard, der schon 1973 als engagierter Pfarrer mit „Projektunterricht: Beispiel Religion“ an die Öffentlichkeit getreten war, entwarf in dieser „b:e“ eine erste historische Fundierung durch „75 Jahre Projektunterricht“ und lieferte zugleich auch eine praktische Anleitung: „Projektunterricht – Wie macht man das?“

Beide Artikel wurden zu einem Vademecum vieler Lehrerinnen und Lehrer in der durch die Bildungsreform geprägten Unterrichtspraxis und zu einer wegweisenden Orientierung sowohl in der Lehreraus- und Weiterbildung als auch im Studium. Suin de Boutemard gab sich aber nicht mit einfachen Rezepten zufrieden, sondern suchte in seiner Dissertation „Projektunterricht und soziale Handlungsperformanz“ (1975) auch nach einer soziologischen Fundierung.

In den folgenden Jahren wurde er nicht müde, in zahlreichen Publikationen (Bastian/Gudjons: Das Projektbuch 1986; PÄDAGOGIK 7/8 1993; Bastian/Gudjons u.a.: Theorie des Projektunterrichts, 1997) das Konzept der Projektdidaktik nach Dewey zu propagieren und dies in der Praxis auch außerschulisch umzusetzen – in seiner Lehrtätigkeit, aber auch in sozialen Initiativen bei von ihm betreuten Gemeinden und in seinem Wohnort Lindenfels.

Im Jahr 1997 war er einer der Mitbegründer des Vereins für Projektdidaktik und blieb bis zum Jahr 2005 der Vorsitzende dieses Vereins. Mit seiner kreativen, intellektuell immer radikalen, aber liebenswürdigen und im Sinne Deweys pragmatischen Art ist er für eine „Kultur des Bereithaltens“ der Projektdidaktik auch in schwierigen Zeiten eingetreten. Vielen ist er zum väterlichen Freund geworden und wird uns unvergessen bleiben.




Wolfgang Emer / Karlheinz Goetsch (Verein für Projektdidaktik)